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Die Mumien von Palermo

Ein Besuch in den Katakomben der Kapuziner © Text und Fotos: Peter Häfele

Die Mumien von Palermo-Banner
Wenn von Mumien die Rede ist, dann denkt ein jeder von uns sicherlich an das alte Ägypten. Untrennbar verbunden mit den so klangvollen Namen einst mächtiger Pharaonen wie Ramses, Cheops, Chephren, Echnaton oder Tutanchamun. Gottgleiche Herrscher, einer längst vergangenen Kultur. Sie ließen die Pyramiden von Gizeh bauen, die zu den bekanntesten und ältesten erhaltenen Bauwerken der Menschheit gehören. In der Nähe des altägyptischen Theben errichteten sie das geheimnisumwobene Tal der Könige, nur um sich später in dessen Grabkammern bestatten zu lassen. Ihre Mumien kann man heute in den Museen der Welt bestaunen.


Wohl kaum jemand denkt bei dem Wort Mumien an Sizilien und doch gibt es sie dort zu tausenden. In Kirchen und Klöstern, in Katakomben und geheimen Kammern, wurden sie tief unter der Erde unter irgendwelchen Falltüren versteckt oder vergessen. Es sind so viele, dass man Sizilien auch als die europäische Hauptstadt der Mumien bezeichnen kann.


Auch ich wusste nichts von der Existenz der sizilianischen Mumien, bis ich im Jahr 2004 oder 2005 durch einen kurzen Bericht im Fernsehen auf das Thema aufmerksam wurde. In dem Beitrag wurde über ein Kapuzinerkloster in Palermo berichtet, in dessen Katakomben sich mehrere tausend, in ihrer besten Garderobe eingekleidete Mumien befinden sollten. Außerdem, wurde dort über die fast 100 Jahre alte Mumie, eines kleinen Mädchens berichtet, die so unvergleichlich gut erhalten ist, das man glauben könnte, dass das Kind nur schläft.

 

Nach dem Fernsehbericht durchforstete ich das Internet, um an mehr Informationen zum Thema „Catacombe dei Cappuccini" zu gelangen, denn für mich war sofort klar, das möchte ich mir irgendwann einmal mit eigenen Augen ansehen und so setzte ich die Mumiengruft von Palermo auf unsere „To-do-Liste".

 

Im Jahr 2009 war es dann eher zufällig soweit, meine Frau Hanni hatte in der Tombola einer Betriebsfeier, zu der sie von unserer gemeinsamen Freundin Heide eingeladen wurde, einen der Hauptpreise gewonnen, eine 10 tägige Reise für zwei Personen nach Sizilien. Nach kurzer Absprache mit uns, buchte unsere Freundin Heide noch an Ort und Stelle eine Reise für sich dabei und so ging es dann am 5 Oktober 2009 zu dritt nach Sizilien.

 

Das Hotel in dem wir untergebracht waren, befand sich in Campofelice di Roccella, das nur etwa 60 Kilometer von Palermo entfernt liegt. Einen Mietwagen hatten wir schon im Vorfeld von Deutschland aus gebucht, da wir von den Sehenswürdigkeiten Siziliens, so viele sehen wollten, wie es nur irgend möglich war.

Convento dei Cappuccini Convento dei Cappuccini
Convento dei Cappuccini Der Eingang in die Katakomben

Nachdem wir an den Tagen zuvor bereits den Ätna (Europas höchsten Vulkan) und die archäologischen Stätten von Agrigent besucht hatten, machten wir uns dann am 09. Oktober 2009 auf den Weg nach Palermo um uns die Kapuzinergruft anzusehen. Von Campofelice di Roccella aus, ging es ganz entspannt über die Autobahn nach Palermo. Da ich bei den Reisevorbereitungen (unwissentlich) eine falsche Adresse aus dem Internet in unser Navigationsgerät eingegeben hatte, führte uns dieses nach der Autobahnabfahrt nun kreuz und quer durch Palermo, ohne das wir unserem Ziel, dem Convento dei Cappuccini auch nur irgendwie näher kamen.

 

Wer schon einmal in Palermo war, der weiß um die chaotischen Verkehrsverhältnisse, die dort herrschen. Hatte ich bisher immer gedacht, schlimmer als in Paris oder Istanbul kann es eigentlich nicht mehr kommen, wurde ich doch sehr schnell eines besseren belehrt. Nach einer Nervenaufreibenden, etwa zwei Stunden dauernden Irrfahrt durch Palermo, erreichten wir das Kapuzinerkonvent dann doch noch,--- pünktlich zur Mittagspause,--- die von 13:00 bis 15:00 Uhr dauerte. Also warteten wir geduldig im Auto (Klimaanlage) bis sich dann um 15:00 Uhr die „Pforte zur Unterwelt" öffnete.

 

An der Kasse, die sich direkt hinter der Eingangstür befand, zahlten wir 3,- Euro Eintritt. Verglichen mit den Eintrittspreisen anderer Touristenattraktionen", wie zum Beispiel den Katakomben von Paris wo wir 8,- Euro Eintritt p.P. bezahlt hatten, geradezu lächerlich und überhaupt nicht vergleichbar. Die Katakomben von Palermo sind ohnehin absolut einzigartig und integraler Bestandteil des Sizilianischen Kulturerbes

Nachdem wir den Eintrittspreis entrichtet hatten, stiegen wir die Treppen zur Gruft hinab. Bereits mit dem ersten Blick auf die dort befindlichen Mumien, kam es mir so vor, als seien wir im Bruchteil einer Sekunde, in einen dieser Indiana Jones" Filme hinein katapultiert worden. Nur war das, was wir dort sahen, keine Filmstaffage, sondern Realität. Wir erblickten schier unzählige Leichen in den unterschiedlichsten Verwesungsstadien, die einen standen an den Wänden, andere hingen mit Draht festgebunden in den Nischen, wieder andere starrten" uns aus ihren geöffneten Särgen heraus an. Ein englischer Hotelgast, der die Katakomben zwei Tage nach uns besucht hatte, beschrieb es in einem späteren Gespräch beim gemeinsamen Abendessen so: A journey into the nightmare" (Eine Reise in den Alptraum)

Convento dei Cappuccini Convento dei Cappuccini
Gang der Priester Nische der Kinder
Convento dei Cappuccini
Diese Realität, vor der wir hier standen, hatte ihre Anfänge im Jahr 1534 genommen, das späte Mittelalter war gerade zu Ende gegangen und die Epoche der Reformatoren und Entdecker hatte begonnen. Martin Luther ließ die erste vollständige Fassung seiner Lutherbibel drucken, Heinrich VIII. gründete die anglikanische Kirche und der französische Seefahrer Jacques Cartier startete auf Geheiß von König Franz I. von Saint-Malo zu einer Entdeckungsreise Richtung Neufundland.

In eben diesem Jahr, 1534, bauten die Kapuziner (ein selbstständiger Zweig des Franziskanerordens) ihr erstes Kloster auf sizilianischen Boden. Sie bekamen für den Bau des Klosters, gelegen vor den Toren der Stadt und in genau dessen Katakomben wir uns nun befanden, das mutmaßlich schlechteste Stück Land zugewiesen. Nicht ahnend, das sich dieses später als "Goldgrube" entpuppen sollte.

Convento dei Cappuccini

Convento dei Cappuccini Convento dei Cappuccini

Im Jahr 1599 entschloss man sich, unterhalb des Hochaltars ein größeres Grabgewölbe auszuheben, weil der Raum für die wachsende Zahl der verstorbenen Brüder nicht mehr ausreichte. Als die Ordensbrüder hinunterstiegen, um die 40 Leichname aus der alten in die neue Gruft zu überführen, entdeckten sie, dass einige der Leichname nicht verwest, sondern regelrecht mumifiziert waren.

 

Wie wir heute wissen, verwesten die Leichen in der Gruft aus mehreren zusammenspielenden Gründen nicht, zum einen lag es an dem in der Gruft vorherrschenden Mikroklima, dann an der konstanten Luftfeuchtigkeit und schließlich an dem in der Gruft vorhandenen, Flüssigkeiten absorbierenden Tuffstein. (Tuff verdeutlichend auch Tuffstein genannt, bezeichnet in der Petrografie ein Gestein, das zu mehr als 75 % aus Pyroklasten aller Korngrößen besteht. Bei den Tuffen handelt sich um vulkanisches Eruptivgestein, das sich verfestigte.)

 

Der Abt veranlasste, diese als Memento mori („Wir waren, was ihr seid; doch kommen wird die Zeit und kommen wird sie euch geschwind, wo ihr sein werdet, was wir sind.“) an den Wänden aufzustellen. Der älteste noch erhaltene Leichnam ist der des Bruders Silvestro da Gubbio († 1599)

Mumie von Silvestro da Gubbio († 1599) Die Mumien von Palermo Die Mumien von Palermo
Ganze 136. Jahre lang, bis in das Jahr 1670 war die Gruft ausschließlich den Ordensbrüdern vorbehalten gewesen, doch mit der Zeit, wurde das Verlangen der Bevölkerung Palermos nach einer Bestattung bei den Kapuzinern immer größer, denn in der Bevölkerung hatte sich herumgesprochen, dass die Toten in der Gruft nicht verwesten, was die Menschen der damaligen Zeit als ein göttliches Zeichen verstanden. Um das zu verstehen, müssen wir versuchen uns in die damalige Zeit zurückzuversetzen, die Leute glaubten, dass die Toten die Familie beschützen, ähnlich wie Heilige, dienten sie als Vermittler zwischen unserer Welt und der göttlichen Welt.

Die Leute waren davon überzeugt, dass wenn sie bei den Kapuzinern beigesetzt wurden, sie direkt ins Paradies kommen würden. Zudem war bekannt geworden, dass die Brüder jede Nacht, nach dem Mitternachtsgebet durch eine kleine Tür, die direkt zu den Katakomben führte, in diese hinunter stiegen und für die Verstorbenen beteten. Selbst Laizisten wollten auf Nummer sicher gehen und sich bei den Kapuzinern bestatten lassen. So öffneten sich die Katakomben auch anderen gesellschaftlichen Schichten -- außerhalb des Ordens- und verschiedenen Berufsgruppen.
Die Mumien von Palermo Die Mumien von Palermo Die Mumien von Palermo

Dass ein Ruheplatz, Seite an Seite mit den Kapuzinermönchen in deren Katakomben nicht für ein Almosen zu haben war, dürfte wohl jedem klar sein (Thema Goldgrube) und so sicherten sich die wohlhabenden und besseren Kreise von Palermo ihre vermeintliche Poleposition ins Paradies".


In der Gruft wurden dann fünf Korridore in den Tuffstein geschlagen, einer für die Kapuzinermönche, einer für Priester, einer für die sogenannten „Professionisti“ (Politiker, Lehrer, Advokaten, Ärzte, Künstler, Offiziere usw.) Einen Gang für Männer und einer für Frauen. Außerdem eine Nische für Jungfrauen und eine Nische für Kinder.

 

Das Begehren der palermitanischen Bevölkerung, nach einer Bestattung in der Kapuzinergruft von Palermo, hielt über zweihundert Jahre unvermindert an. Im Jahre 1837 wurde diese Form der Bestattung von der Regierung jedoch verboten. (Napoleons Saint-Cloud-Edikt) Bis 1881 fanden in den Katakomben zwar noch Beisetzungen statt, aber die Verstorbenen mussten in Särgen bestattet werden. Insgesamt sind dort derzeit noch etwa 2063 Mumien, teilweise in Särgen, vorhanden.

Die Mumien von Palermo
Damals, als ich durch den Fernsehbericht auf die „Mumien von Palermo" aufmerksam wurde, war auf verschiedenen Internetseiten von etwa 8000 Mumien, die sich in der Gruft befinden sollten, die Rede gewesen. Woher diese enorme Zahl stammte, weiß ich nicht. Zwar wurde bei einem US-Bombenangriff, dem Palermo am 11. März 1943 zum Opfer fiel, auch die Gruft getroffen und so zahlreiche Mumien besonders im Frauengang vernichtet und im Jahre 1966 gingen dann bei einem Brand in der Gruft noch einmal viele Mumien und Särge verloren, jedoch glaube ich persönlich nicht (schon allein aus Platzgründen) daran, das sich je 8000 Mumien in der Gruft befunden haben.
Die Mumien von Palermo

Unter den Bestatteten sind sich auch einige bekanntere Persönlichkeiten, so der amerikanische Vize Konsul Giovanni Paterniti (Foto oben rechts), der 1911 in Palermo verstarb, die Schriftsteller Alessio Narbone und Don Vincenzo Agati. Ebenso Ayala, der Sohn eines tunesischen Königs, der später zum Katholizismus übertrat und den Namen Filippo d’Austria annahm . Außerdem sind noch die Bildhauer Filippo Pennino und Lorenzo Marabitti sowie der Medikus Salvatore Manzella in der Gruft bestattet.

 

Im sogenannten „Priestergang“ befindet sich der Leichnam von Mons. Franco D’Agostino, eines Bischofs des byzantinischen Ritus im vollen Ornat.

Eine weitere, etwas bekanntere Mumie in den Katakomben von Palermo, ist die von Antonio Prestigiacomo. Es wird erzählt, dass der knapp 1,90 Meter und damit für die damalige Zeit, außergewöhnlich große Mann ein bekannter Frauenheld in Palermo war. Unter welchen Umständen er im Jahr 1844 zu Tode kam, ist nicht ganz klar. Die einen Quellen berichten, dass er bei einem Duell, das er mit dem Ehemann einer seiner Geliebten austrug, den Tod fand, andere Quellen besagen, das er von einer seiner Geliebten mit Arsen vergiftet wurde, weil er sie verlassen wollte.

 

Die Legende besagt, das Prestigiacomo vor seinem Tod verfügte, dass er in den Katakomben beigesetzt werden wollte, um so den Frauen bis in alle Ewigkeit hinterher schauen zu können.

Die Mumie von Antonio Prestigiacomo
Antonio Prestigiacomo ( † 1844 ) Foto: ZDF / Peter Haefele

Der unumstrittene „Star" unter den mehr als 2000 in der Gruft befindlichen Mumien, ist jedoch die kleine Rosalia Lombardo. (Das sizilianische Schneewittchen) Sie war ein italienisches Mädchen, das am 13. Dezember 1918 geboren wurde und nur ein paar Tage vor ihrem 2. Geburtstag am 6. Dezember 1920 an der zwischen 1918 und 1920 grassierenden Spanischen Grippe verstarb.

Rosalia war nur eines von vielen Millionen Todesopfern, die diese Pandemie forderte. Der fachwissenschaftlichen Literatur zufolge betrug die Zahl der Todesopfer mindestens 25 Millionen; in ihrer Bilanz in der Fachzeitschrift Bulletin of the History of Medicine vom Frühjahr 2002 kamen die Autoren sogar auf knapp 50 Millionen Todesopfer. Die Auswirkung der Pandemie ist damit in absoluten Zahlen mit dem Ausbruch der Pest von 1348 vergleichbar, der damals mehr als ein Drittel der europäischen Bevölkerung zum Opfer fiel.

 

Rosalias Vater, der General Mario Lombardo war über den Tod seiner Tochter so verzweifelt, dass er den damals besten Einbalsamierer Palermos, den Chemiker Alfredo Salafia damit beauftragte, seine Tochter bestmöglich zu konservieren, um so zumindest ihren Körper zu erhalten. Salafia leistete ganze Arbeit, denn 89 Jahre lang rätselte die Fachwelt, wie es ihm gelungen war, Rosalias Körper so perfekt zu konservieren. In einem Bericht aus dem Jahr 2009 über deren Mumie heißt es: „Jedes Härchen auf ihrer pfirsichfarbenen Haut ist erhalten. Das Gesicht ist so zart und friedlich, als sei sie eben erst eingeschlafen. Rosalia gilt als die schönste Mumie der Welt.“

Die Mumie von Rosalia Lombardo
Die Mumie von Rosalia Lombardo Die Mumie von Rosalia Lombardo
Rosalia Lombardo (*1918 - †1920) die schönste Mumie der Welt Fotos: ZDF

Im März 2009 entdeckten Forscher die Methode seiner Einbalsamierungen. In einem bei Anna Phillipone, der Großnichte von Salafias zweiten Ehefrau, aufgefundenem Nachlasspapier, hatte Salafia geschrieben, dass ein Teil Glycerin, ein Teil Formalin, angereichert mit Zinksulfat und Chloriden, dazu ein dritter Teil Alkohollösung mit Salicylsäure die richtige Mischung sei.

 

Salafia war schon zu Lebzeiten eine Berühmtheit. Er hatte u. a. den Körper von Italiens Premierminister Francesco Crispi (1902) und des Erzbischofs von Palermo Michelangelo Kardinal Celesia (1904) konserviert. Diese Leichen sind so gut erhalten, dass Zeitzeugen bei Exhumierungen berichteten, dass die Personen so aussahen, als seien sie gerade nur eingenickt gewesen.

 

Salafia starb 1933 an den Folgen eines Schlaganfalls und liegt auf dem Friedhof Santa Maria di Gesù von Palermo begraben.

Alfredo Salafia
Alfredo Salafia (* 7. November 1869 - † 31. Januar 1933) Spezialist für Einbalsamierung.
 

Die Mumien von Palermo

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